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  >  Allgemein   >  Elizaveta Salikova #sunday snowboard talk

``Movement is Life`` - by Lisa Salikova

Mit meinen mittlerweile 30 Jahren bin ich ja schon sowas wie ein alter Hase im Snowboardzirkus und ich habe einige Athletinnen kommen und gehen gesehen. Vor allem Russland ist da ein besonderer Fall.

Ihre Athletinnen haben ein sehr kurzes Haltbarkeitsdatum obwohl sie unglaublich talentiert und erfolgreich sind. Das liegt einerseits daran das die Damen aus Osten extrem jung erfolgreich werden und andererseits daran das der Konkurrenzkampf im eigenen Team enorm ist. Kein anderer nationaler Verband kann auf einen solchen Pool von Talenten zurückgreifen und diese unglaublich Humanressource wird natürlich ausgenutzt.

Doch auch aus dieser Masse schaffen es manchmal Mädels hervorzustechen. Sei es durch extreme Erfolge wie eine Tudegesheva, ihren Erfolgshunger wie eine Zavarzina oder eben mein heutiger Talkgast Elizavata Salikova.

Doch warum schaffte es eine junge Russin mit gerade einmal 23 Jahren einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, auch wenn sie vielleicht noch nicht alles gewonnen hat ?

Es ist schlicht und ergreifend „Charisma“.

Nachdem sie als Juniorenweltmeisterin in die russische Weltcupgruppe aufstieg kannte sie genau niemand. Verständlich, wieder ein Mädel aus dem Osten was abartig schnell fahren, aber genau so schnell wieder verschwinden kann.

Doch wie sie mir in unserem Talk erzählte war der Erfolg nicht unbedingt ihre größte Triebfeder im Sportlerleben. Eigenartig für eine Russin aber ok. Im Laufe unseres Gespräches wurde immer offensichtlicher das es die Chance war die Welt zu sehen was sie motiviert und angetrieben hat. Natürlich war ihr der Erfolg ebenso wichtig, doch sie wollte das ganze Paket. Erfolg, Reisen, Erlebnisse und Momente.

Doch für die aus Ufa stammende Lisa wurde es irgendwann zu viel. Nicht immer kann man Leistung bringen und sich die Welt dabei ansehen ohne einen Kompromiss einzugehen.

Irgendwann bleibt irgendetwas auf der Strecke und wenn man sich neben oben genannten Interessen auch noch mit dem lernen von Deutsch und Englisch sowie einem Sportstudium und Kunst beschäftigt wird es irgendwann zu viel.

Im Gespräch erzählte sie das sie erkannte das ihre Interessen den Sport negativ beeinflussen und im Hinblick auf dem Olympiade 2018 schraubte sie diese zu Gunsten des Sportes zurück.

Leider blieb der erwartete Erfolg aus und die Qualifikation für 2018 blieb aus. Für mich absolut nicht zu verstehen wie man mit 21 Jahren (damals) sich so sehr auf ein Ziel fokussieren kann. Sein wir uns ehrlich, das Trainingsalter mit 21 reicht im Normalfall einfach nicht für einen erfolg bei olympischen Spielen. Da muss man schon noch etwas reifen außerdem wenn man ehrlich ist hilft es nichts sich zu verstellen und den Erfolg erzwingen zu wollen.

Das musst auch sie erkennen.

 

Um zu verstehen was nun kommt, muss man wissen das in Russland der Verband und die Region für den Lebensunterhalt der Sportler aufkommen. Das heißt Nationalteam ist gleich finanzielle Absicherung. Mehr Erfolge, mehr Kohle.

Das heißt wer schnell etwas erreichen will und unabhängig sein möchte muss besser sein als die anderen.

Da ist natürlich zum persönlichen auch noch der Druck von außen enorm. Auch kann eine russische Privatfirma „Sponsorings“ nicht von der Steuer absetzen, weshalb es da kaum private Initiativen gibt.

Somit sind die Sportler, sagen wir mal so, völlig vom Verband abhängig. Nach diesen eher mittelmässigen Saisonen wurde Lisa auf dem russischen Verband geworfen. Sie durfte zwar mittrainieren und genoss gewissen Privilegien doch musst für die Kosten selbst aufkommen.

Eigentlich dachte ich das dies für sie ein unüberwindliches Problem darstellen wird. Doch mit ihrer offenen Art und sagen wir mal amerikanischem Weltbild schaffte sie es dennoch und belohnte sich in der abgelaufenen Saison mit einem 4. Platz in Piancavallo für die schweren Zeiten.

Für mich eine garnicht hoch genug einzuschätzende Leistung für eine so junge Athletin. Bei uns schaffen es viele noch nicht mal mit 23 einen eigenen Haushalt zu führen aber sei es wie es sei.

Auf meine Frage hin was sie motivierte das möglich zu machen sagt sie es sei

„Das Snowboarderleben“

was sie nicht aufgeben wollte.

Das fasziniert mich und deswegen kann ich nur sagen du hast es verdient zu sein wo du bist und ich freue mich das ich die als zweiten Gesprächspartner begrüssen durfte.

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